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Pilotprojekt
Lambertsmühle zu Burscheid

Bilder vom Projekt

Lambertsmühle zu Burscheid

Die Lambertsmühle, eine Wassermühle im Wiembachtal, steht unter Denkmalschutz. Sie wird zur Zeit zu einem Museum umgebaut, das zukünftig den Weg "Vom Korn zum Brot" anschaulich darstellen soll.

Durch die Restaurierung der Gebäude wurde auch eine Sanierung des Abwassersystems erforderlich. Bisher wurden alle Abwässer der Lambertsmühle in einer abflusslosen Grube gesammelt. Das neu erarbeitete Abwasserkonzept berücksichtigt den natürlichen Wasser- und Stoffkreislauf.

Das Abwasserkonzept der Lambertsmühle stellt einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Wasser- und Abwasserwirtschaft im ländlichen Raum dar. Durch die Trennung des häuslichen Abwassers in Teilströme und die Wiederverwertung von Nährstoffen als Dünger kann der Nährstoffkreislauf geschlossen werden. Dieser geschlossene Kreislauf beinhaltet nicht nur "Vom Korn zum Brot" - das Motto des Museums Lambertsmühle - sondern auch umgekehrt wieder den Schritt "Vom Brot zum Korn".

Die Konzeptentwicklung und Planung bis zur Ausschreibung wurde von OtterWasser GmbH durchgeführt. Ende Mai 2000 haben der Wupperverband und der Verein zur Förderung der Lambertsmühle zu Burscheid e.V. mit dem Bau der Sanitär- und Abwasserbehandlungsanlagen begonnen und diese mittlerweile fertiggestellt.

Darstellung des differenzierenden Abwasserkonzeptes

Das hier angewandte Abwasserkonzept ist für Einzelhäuser und kleinere Siedlungen geeignet. Für dieses Einsatzgebiet kann es ein kostengünstiges und wartungsarmes System darstellen.

Separierende Toiletten ermöglichen die getrennte Erfassung und Ableitung von Urin und Fäkalien als Gelbwasser bzw. Braunwasser. Das Gelbwasser wird über eine gesonderte Leitung abgeleitet und in einem Gelbwasserspeicher bis zur Abfuhr und Nutzung in der Landwirtschaft gelagert.

Das Braunwasser wird ebenfalls separat abgeleitet und einem Rottebehälter (Kompostfilter) zugeführt. Hier findet eine Vorkompostierung der Fäkalien statt. Nach einer einjährigen Ruhephase wird das Rottegut aus dem Rottebehälter entnommen und auf einem Kompostplatz zusammen mit Bioabfall aus Küche und Garten nachkompostiert. Der reife Kompost kann zur Gartenpflege eingesetzt werden und stellt einen Humusdünger mit langanhaltender Düngewirkung dar. Das bei der Fäkalienentwässerung im Rottebehälter anfallende Wasser (Filtrat) ist aufgrund der Urinseparation nährstoffarm, da die gelösten Nährstoffe größtenteils im Urin vorliegen. Das Filtrat kann deshalb in der Grauwasseranlage mitbehandelt werden.

Das Grauwasser wird in einem Sedimentationsbecken vorgereinigt und anschließend zusammen mit dem Filtrat aus dem Rottebehälter zur vertikal durchströmten Pflanzenkläranlage gepumpt. Das gereinigte Wasser kann dann, je nach Bedarf und örtlichen Verhältnissen in die örtliche Vorflut eingeleitet, versickert oder zur Bewässerung im Garten eingesetzt werden.

Die Grauwasserbehandlung ist auch mit anderen Abwasserbehandlungssystemen möglich. Pflanzenkläranlage zeichnen sich durch den Vorteil eines geringen Energieverbrauchs und bei richtiger Konstruktion eines geringen Wartungsaufwandes aus.

Die einzelnen Elemente des Anlagenkonzepts zeigt die Prinzipskizze in Bild 1. Tabelle 1 stellt diese Elemente mit ihrer Anlagenfunktion in einer Übersicht dar. Bild 2 zeigt das Fliesschema des nachhaltigen Abwassersystems unter Beachtung des Nährstoff- und Wasserkreislaufs

Schema
defferenziertes Abwasserkonzept für ländlichen Raum
Bild 1: Prinzipskizze des Sanitär- und Abwasserkonzepts für den ländlichen Raum

Element

Funktion

Wasserfreie Urinale

Erfassung des unverdünnten Urins (optional)

Sortierende Toiletten
(separierende)

Erfassung gering verdünnten Urins,
Erfassung gering verdünnter Fäkalien

Gelbwasserspeicher

Sammlung und Lagerung des Gelbwassers

Rottebehälter

Sammlung und Kompostierung des Dickstoffanteils aus den verdünnten Fäkalien, Abtrennung der Feststoffe

Gartenkompost

Nachkompostierung des vorkompostierten Dickstoffanteils aus dem Rottebehälter gemeinsam mit Küchenabfällen und Gartenschnitt

Vorklärung

mechanische Vorklärung des Grauwassers

Pflanzenkläranlage

Reinigung des vorgeklärten Grauwassers und Filtrats

Tabelle 1: Elemente des vorgeschlagenen Anlagenkonzepts


Bild 2:  Fliesschema mit Nährstoff- und Wasserkreislauf  

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Das Forschungsprojekt "Lambertsmühle"

Durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen wird seit 2001 das Forschungsprojekt "Zukunftsfähiges Abwassermanagement im ländlichen Raum" gefördert. Das Projekt soll die technische, ökonomische und organisatorische (soziale) Machbarkeit von Teilstrombehandlung und getrennter Schließung der Wasser- und Nährstoffkreisläufe am Beispiel der Lambertsmühle prüfen und umsetzbare zukunftsfähige Lösungen für ähnliche Standorte empfehlen. Am 15. Mai 2003 wurde das Forschungsprojekt mit einer Abschlusstagung beendet.

Methoden

Verschiedene Partner waren in das Forschungsvorhaben involviert und bearbeiteten die folgenden Teilaufgaben:

Die Umsetzung dieser Aufgaben wurde durch verschiedene Messkampagnen und Untersuchungen während des normalen Betriebes begleitet.

Resultate

Als Ergebnisse des Betriebes des urinseparierenden Systems können genannt werden:

Die wachsende Aufmerksamkeit die persistenten organischen Schadstoffen, die durch menschliches Abwasser in die Oberflächengewässer eingeleitet werden, unterstreicht die Bedeutung der Teilstromtrennung. Mit der Separation von Urin kann die Einleitung dieser Schadstoffe in die Umwelt reduziert werden. Zusätzlich wird die in die Gewässer eingeleitete Nährstofffracht reduziert und künstliche Dünger können durch die gewonnenen Düngesubstrate ersetzt werden.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse des Forschungsprojekt sind sehr vielversprechend und unterstreichen die Vorteile teilstromtrennender Systeme. Die Effizienz der Abwasserbehandlung kann durch die Teilstromtrennung erhöht werden. Urin kann als sehr guter Düngestoff Verwendung finden und ist unter speziellen Lagerbedingungen ein hygienisch unbedenklich. Offene Fragen, wie die Wirkung persistenter organische Schadstoffe bei der landwirtschaftlichen Nutzung des Urins, müssen in Folgeprojekten untersucht werden.

Der Abschlussbericht zum
Forschungsprojekt "Lambertsmühle"

Hier können Sie den Tagungsband der Abschluss-Tagung des zweijährigen Forschungsprojektes am 15.Mai 2003 herunterladen (ca. 1 MB).

Hier finden Sie den Tagungsband mit einer verbesserten Qualität (ca. 10 MB).

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt finden sie hier.

 

Das hier vorgestellte Konzept kann je nach Randbedingungen auch anders aufgebaut werden. Besonders interessant ist die Einbeziehung in die regionale Planung. In jedem Falle sind die Hintergründe und Motivationen den betroffenen Bewohnern darzustellen, um eine gute Akzeptanz zu erreichen.

 

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